In letzter Zeit verstecken die Mobilfunkbetreiber ihre "Rechenfehler" zunehmend raffinierter.

Früher kam man ihnen schon leichter auf die Schliche und fand die üblichen Verdächtigen:

Übersehene OMEN in der Nähe der Antenne.
Falscher Messpunkt: weit ab von der Hauptstrahlrichtung oder nicht an der Gebäudefront, sondern weit innen
Übersehene Bauplätze in Antennennähe, denn auch noch nicht gebaute OMEN in maximal zulässiger Höhe müssen berücksichtigt werden.
Falsche Angaben bei der Entfernung der OMEN zur Antenne.
Falsche Angaben bei der Höhendifferenz der OMEN zur Antenne.

Dies waren früher die Tricks, die wir gelernt haben zu durchschauen und damit viele Bauanträge stoppen konnten.

Inzwischen sind sie schlauer, raffinierter, cleverer geworden.

Eines der Tricks, die für technische Laien kaum durchschaut werden, ist eine falsche Angabe bei der Abwärtsneigung (Down-Tilt) der Antenne. Da gibt es mehrere Tilts (Englisch für Neigung, gemeint ist hier jedoch immer die Abwärtsneigung):

Der mechanische Tilt. Dieser ist eigentlich durch Montage mit einer Halterung und massiven Schrauben fixiert und kann nur eine feste Grösse annehmen. Vorsicht vor Angaben wie "mech. Neigung von 0 bis 8°". Sowas ist natürlich Quatsch, weil dieser Tilt fix ist. Gleich abmahnen und ein neustes Standortdatenblatt anfordern.
ein elektrischer Tilt: dieser kann ähnlich wie ein mech. Tilt äusserlich sichtbar sein, mit einem Stellmotor und den Tilt durch Fernsteuerung oder Zeitgesteuert laufend verändern. Hier macht eine Angabe von-bis natürlich Sinn.
ein digitaler Tilt: diesen gibt es bei Adaptiven Antennen, auch wenn keine Subarrays angegeben werden. Denn diese werden erst dann angegeben, wenn ihre Zahl einen Korrekturfaktor ermöglicht. Aber diese Antennen können auch bei den unteren und mittleren Frequenzen den Beam lenken: nicht nur nach rechts und links, sondern auch nach oben und vor allem unten. Hier macht eine Angabe von-bis natürlich Sinn.
Dabei werden elektr. und digitaler Tilt im Standortdatenblatt nicht unterschieden. Die Begriffe werden teilweise identifiziert, auch wenn äusserlich ein Unterschied feststellbar ist.

Bei der Kritik von Standortdatenblättern sollte man immer die techn. Datenblätter des verwendeten Antennentyps zu Rate ziehen und den Scanbereich dieser eTilts herauslesen. Denn die Mobilfunkbetreiber schummeln hier gerne.

Dazu habe ich eine ausführliche Studie geschrieben, die Du anbei findest. Sie kann als Anlage für Deinen Schriftverkehr verwendet werden, um den Punkt zu begründen, warum Du auf den erweiterten Tilt-Bereich gemäss techn. Datenblatt bestehen kannst.

Viel Erfolg im Widerstand, Gott ist auf unserer Seite, wir werden schliesslich gewinnen!

Andreas

Studie herunterladen